Ausstellungseröffnung am Donnerstag 27.08.2026 um 19 Uhr // Ausstellungsdauer 28.08. – 04.10.2026 // Die Ausstellung ist 24h am Tag einsehbar
Umbau IV – 3 x Solo
ist der vierte Aufschlag der von Dirk Teschner kuratierten neuen Ausstellungsreihe im STRouX. In den drei Pförtnerlogen im Atelierhaus Prenzlauer Promenade 149-152, zeigen Antje Blumenstein, Ulrike Mundt und Thomas Prochnow ortsbezogene, aktuelle Arbeiten.
Antje Blumenstein – Insight I 126, Installation, 2026
Die aktuellen Arbeiten von Antje Blumenstein sind der Bildhauerei und der Installation zuzuordnen, wobei Fläche, Linie, Farbe, Licht und Transparenz im Vordergrund stehen. Sie nehmen den Raum physisch ein und lassen auch die Betrachtenden aktiv teilhaben. Bereits seit einigen Jahren verarbeitet die Künstlerin fluoreszierende Acrylglasplatten als zentrales Material, denen durch eine spezielle Herstellungsweise die Eigenschaft innewohnt, natürliches Sonnen- oder Umgebungslicht einzufangen und es an den Rändern zu streuen, wodurch ein faszinierendes Leuchten entsteht.
Für STRouX entsteht eine in situ-Arbeit, bei der verschiedenfarbige Platten gleich einem von drei Seiten einsichtigem Bühnenbild angeordnet werden und somit verschiedene Perspektiven öffnen.
Ulrike Mundt – X (Serie: Topographie der Wunde) und Doublebind Messages, Installation mit zwei Arbeiten, 2026
In Loge C sind zwei Arbeiten zu sehen. Das monumentale schwarze „X“ von 2026 2026, (Holz, Lack, 200 x 130 x 9 cm) gehört zur seit 2016 entstehenden Serie „Topographie der Wunde“. Es ist Markierung, Warnsignal und Geste des Durchstreichens zugleich. Das Zeichen erinnert an archaische Symbolik, bürokratische Ordnung und digitale Kommunikation – an Systeme, die Räume strukturieren, Zugänge regeln und festlegen, was für wen gilt. Zugleich bleibt seine Bedeutung mehrdeutig: Das X kann für Auslöschung stehen, aber auch für Verweigerung, Selbstbehauptung und Widerstand. Die „Wunde“ verweist auf gesellschaftliche Verletzlichkeit und politische, wirtschaftliche wie symbolische Eingriffe.
In „Doublebind Messages“, 2023, (MDF, Lack 22 x 18 x 2 cm und 25 x 30 x2 cm) begegnen sich zwei schwarz-weiße Sprechblasen mit widersprüchlichen Botschaften. Was zunächst wie ein Gespräch erscheint, wird zur Falle: Zustimmung ermöglicht keine Verständigung, sondern legt deren Grenzen offen.
Beide Arbeiten zeigen Kommunikation als Feld von Macht und Aushandlung und treffen damit einen Nerv der Gegenwart. In einer Zeit, in der gesellschaftliche Verständigung zunehmend unter Druck gerät, fragen sie danach, wer gehört wird und wer bestimmt, was Gültigkeit besitzt. Demokratische Verständigung erscheint nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als fragile Aufgabe, die immer wieder neu ausgehandelt werden.
Thomas Prochnow – Parade I und Parade II, Installation mit verchromten Stahl und Holz, 2026
Parade I, 2026, Holz verschraubt, 190 x 200 x 100 cm / Parade II, 2026, Stahl, verchromt, 75 x 75 x 85 cm
Norm versus Leben
Thomas Prochnows zahlreiche Werkgruppen kreisen immer wieder um das Thema der Norm, als ein Regelwerk von z. B. Größen oder Materialeigenschaften, die für die Fertigungsprozesse in der Industrie ausschlaggebend sind. Die Norm garantiert das Funktionieren von Verfahrensabläufen, wie z.B, die Din A4-Blattgröße, nach der ein Großteil der digitalen Drucker für Büro und Heim ausgerichtet sind.
Wenn Thomas Prochnow die Normgröße als Maß und Imperativ seiner eigenen Werkgruppen nimmt, dann nicht ohne Hintersinn: Er will die Radikalität der Norm brechen und dem Ding eine Seele einhauchen. Dazu nutzt er alle möglichen Materialien, seien es Industriematerialien (die häufig selbst aus der Norm geboren sind), oder aber auch Abfallstücke eigener Fertigungsprozesse. Oft gilt hier gar eine Ressourcen schonende Nachhaltigkeit: z.B. wird Bauholz für den Raum erobernde und neu definierende Installationen nach dem Abbau zu einem weiteren Werkstoff zerkleinert und in passende Formstücke gesägt.
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Semjon H. N. Semjon
Fotocredits Antje Blumenstein: Künstlerin
Fotocredits Ulrike Mundt: Künstlerin
Fotocredits Thomas Prochnow: Künstler und Dirk Teschner
Kuratiert von DIRK TESCHNER.

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