Ingo Gerken, Katrin Steiger, Christof Zwiener – UMBAU I – 3 x Solo

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Ausstellungseröffnung am Donnerstag 26.03.2026 um 19 Uhr // Ausstellungsdauer 27.03. – 16.05.2026 // Die Ausstellung ist 24h am Tag einsehbar.

„Umbau I – 3 x Solo“ unter diesem Titel beginnt eine neue Ausstellungsreihe im STRouX, kuratiert von Dirk Teschner. In den drei Pförtnerlogen des Atelierhaus Prenzlauer Promenade 149-152, zeigen jeweils drei Künstler:innen neue, ortsbezogene Arbeiten. Die Reihe ist eine Weiterführung des Ausstellungsprojektes „NEULAND – Wandel, Abriss, Neubesinnung“, welches der Kurator Dirk Teschner 2021 unter dem Raumnamen KORN in einem Objekt der Ostmoderne auf der Greifswalder Straße realisierte.

Inwieweit können zeitgenössische Kunstpraktiken – temporär, performativ, interaktiv und vielleicht auch dauerhaft – in Umbauprozesse eingreifen. Welche Möglichkeiten ergeben sich aus dem Moment des Dazwischen? Wie wichtig ist der künstlerische Blick auf den Wandlungsprozess? Wie können vorhandene Strukturen integriert werden?

Kuratiert von DIRK TESCHNER.


Ingo GerkenH Y P E R V E N T I L A T I O N, 2026, 15-Minuten-Intervall

In der Glaskabine des STRouX kommt ein Gerät zum Einsatz, das gedanklich um sich selber kreist. Mit Saus und Braus nimmt es den ganzen Raum. Es könnte ein Kraftwerk sein, Turbine oder Drohnenschwarm. Aber zum Glück ist es etwas anderes. Zentrifugierend und hyperventilierend flattert es durchs eigene Drumherum und proklamiert nichts, außer das Lob der Leere und die bedingungslose Lufthoheit der Kunst.

Ingo Gerken arbeitet mit ortsbezogenen Interventionen, Skulpturen oder Fotografien. Sie verweigern sich oft einer festen Materialität und plädieren eher für den pur verdichteten Moment. Im Spannungsfeld von Situation und Subversion untersucht er die Durchlässigkeit gedachter und realer Räume, ihre Konstruktion, ihre Flexibilität und ihr Gewicht.


Christof Zwiener Historische Kontamination, ortsspezifische Installation, 2026, Glas, Staub, Fotografie

In einem Lager der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) in Berlin-Spandau wurden seit 1998 wesentliche Teile der Inneneinrichtung des Palast der Republik der DDR eingelagert. Ende 2022 ergab sich im Zuge der Auflösung der rund 4.000 m² großen Lagerfläche für Christof Zwiener die Möglichkeit, eine künstlerische Endreinigung durchzuführen und die besondere „historische Spurenlage“ zu sichern.

Durch unsachgemäße Lagerung und wiederholtes Bewegen der eingelagerten Objekte kam es über Jahre hinweg zu Abplatzungen und Absplitterungen unterschiedlichster Materialien. Hinzu kamen äußere Einflüsse wie Blätter, Staub, Federn, Tierkot, Zigarettenreste oder Kaffeebecher. Aus diesen Ablagerungen entstand ein ungewöhnliches und zugleich einzigartiges Zeitzeugnis: eine vielschichtige materielle Hinterlassenschaft, die sich als sedimentierte Spur der Geschichte lesen lässt.

In der STRouX-Loge C werden diese Überreste aus dem Umfeld des Palasts der Republik zwischen den Fensterscheiben der Loge präsentiert – wie ein archäologischer Bodenquerschnitt, der materielle Spuren eines vergangenen Ortes sichtbar macht.

Die Arbeit mit historischen Spuren, Überresten und Transformationsprozessen bildet einen zentralen Bestandteil des künstlerischen Werks von Christof Zwiener. Ausgangspunkt ist die Vorstellung einer Überlagerung von Zeiten: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verdichten sich in Gegenständen, Gebäuden, Orte oder Situationen.

Die künstlerische Praxis konzentriert sich dabei auf objekt- und ortsspezifische Aspekte, die nahezu aus der Wahrnehmung verschwunden sind. Diese Situationen werden als „Auren“ verstanden – als atmosphärische Verdichtungen historischer und materieller Spuren. Durch künstlerische Recherche sowie eine präzise Form der Präsentation werden diese Auren freigelegt und in eine neue Sichtbarkeit und Wahrnehmung überführt.


Katrin SteigerPreserving D, 2026, Digitaldruck auf rPet (recyceltes Polyester), 300 x 700 cm

Konservierung wird gemeinhin als das Bewahren eines Zustands verstanden – als Versuch, Prozesse der Veränderung zu verlangsamen oder anzuhalten. Häufig geschieht dies durch Fixierung: durch Einfrieren, Einschließen oder Verfestigen. In ihrer Arbeit zur ehemaligen Pförtnerloge D verschiebt Katrin Steiger dieses Verständnis. Anstatt den Raum selbst zu stabilisieren, überträgt sie seine Oberfläche in eine zweite Haut.

Die fragile Hülle nimmt Spuren von Nutzung, Zeit und Abwesenheit auf und transformiert sie in ein fließendes, beinahe lebendiges Abbild. So entsteht keine konservierte Architektur, sondern eine räumliche Spur: ein Abdruck des Ortes, der zwischen Präsenz und Erinnerung oszilliert und seine Existenz in veränderter Form fortsetzt.

Katrin Steiger ist eine interdisziplinäre Künstlerin, die multimedial mit Textilien, performativen Methoden und Archivmaterialien arbeitet. Ihre experimentellen Arbeiten bewegen sich zwischen Beobachtung und Transformation, um Aspekte der Performativität im Alltag zu erforschen. Mit ihrem Interesse an multisensorischen Erfahrungen untersucht sie Erscheinungsbilder, zeitgenössische Phänomene und soziales Verhalten sowohl in ihren skulpturalen Arbeiten als auch in partizipativen Formaten. Katrin Steiger lebt und arbeitet in Berlin.


Fotocredit Ingo Gerken: Ingo Gerken und Dirk Teschner

Fotocredit Christof Zwiener: Christof Zwiener und Dirk Teschner

Fotocredit Katrin Steiger: Dirk Teschner


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